Unter dieser und anderen Überschriften berichteten die Medien im Juni 2007 in unterschiedlicher Qualität über die Ausgrabungen auf dem ehemaligen Parkplatz zwischen Am Alten Posthause und Schloßgarten. Was aber wurde tatsächlich gefunden, und welche Schlüsse ergeben sich hieraus für die Wandsbek-Forschung?
Das Team des Helms-Museums unter der sachkundigen Leitung von Dr. Elke Först suchte gezielt im Grenzbereich zum Grundstück Schloßgarten 15, auf dem auch die Rote Tafel ‚Schlossstandort’ steht, nach Spuren des 1861 von Johann Carstenn abgerissenen Schlosses. Erstes Ergebnis der Grabungen war die Feststellung, dass es sich tatsächlich genau dort befand, wo die Wandsbeker Historiker es vermutet hatten. Da auch die nordöstliche Ecke des Schlosses gefunden wurde, ergibt sich daraus die Konsequenz, dass die östlichen Mauern vor der Baulinie im östlichen Bereich der Straße Schloßgarten lagen. Dies bedeutet wiederum, dass gute Aussichten bestehen, bei eventuellen späteren Grabungen weitere und noch interessantere Teile des Gebäudes zu finden, vielleicht sogar Teile des Kellergeschosses. Der Wandsbeker Handwerksmeister Heiko David, der als junger Mann in den 1950er Jahren beim Bau des Hauses Schloßgarten 15 für den Wandsbeker Notar und Vorsitzenden u. a. des Bürgervereins Dr. Hans Schünemann dabei war erinnert sich, man habe Räume mit blauen Kacheln gefunden und wieder zugeschüttet. Ob es sich dabei tatsächlich um Reste des Schlosses oder (nur) der Bebauung unter Carstenn handelt ist sicherlich eine spannende Frage.
Der Turm dürfte damit tatsächlich in etwa in der Straßenmitte liegen – auch hier besteht sicherlich trotz des verlegten Siels die Chance, noch Reste zu finden.
Die betroffenen Grundstücke auf beiden Straßenseite und auch die Straße selbst wurden in die Denkmalschutzliste aufgenommen und damit spätere Forschungen gesichert.
Die erstaunlichste Entdeckung bei den Ausgrabungen war wohl das Freilegen von Resten des Rantzauschen Burggrabens. Man hatte bislang schon vermutet, dass sich dieser in einem Abstand von etwa zwei Metern zu den Außenmauern befand, und dies ist jetzt als erwiesen anzusehen. Schon auf dem berühmten Bild von Peter Lindenborg – das im Gegensatz zu den Bildern auf der Rantzautafel als recht wirklichkeitsnah gilt – waren Bepflanzungen im Übergangsbereich angedeutet. Die Silberzeichnung aus dem Jahr 1770, also kurz vor Abriss der Wandesburg, zeigt sehr deutlich diese Barme, die zwei Funktionen hatte. Zum einen wurde durch den Landstreifen in Verbindung mit den durch senkrechte Pfosten gehaltenen, quer verlaufenden Planken ein Abrutschen des Erdreichs in den Graben verhindert, zum anderen drückte das Wasser nicht (so stark) gegen die Außenmauern.
Genau diese Holzkonstruktionen wurden an der Nordostecke der Fundamente gefunden, aber auch die Verfärbungen im Erdreich, die ähnlich wie Watt aussehen und riechen, zeigen den von Schimmelmann zugeschütteten Graben nördlich der Wandesburg. Eine dentochronologische Untersuchung des Holzes (charakteristisches Muster der Jahresringe) wird voraussichtlich eine zeitliche Einordnung ermöglichen.
Nach den vorhandenen Quallen soll Schimmelmann sein Schloss ‚auf den Grundmauern der Wandesburg’ errichtet haben. Auch dies konnte verifiziert werden: Tatsächlich kann man sehr gut erkennen, dass die Fundamente und die Grundmauern der Burg Heinrich Rantzaus erhalten blieben und Schimmelmann darauf aufsetzte. Besonders deutlich wird dies im Bereich des aufgefundenen Maueranschlusses. Hier ließ der Schatzmeister einige vorgefundene waagerechte Reihen stehen, mauerte daneben und verband dann einige Reihen höher das Mauerwerk miteinander. Es spricht danach alles dafür, dass Schimmelmann tatsächlich den äußeren Grundriss – mit Ausnahme der auf der Silberzeichnung zu erkennenden vorspringenden Erker auf der Ostseite der Wandesburg – unverändert übernahm.
Es war von einigen Historikern bezweifelt worden, dass Heinrich Rantzau tatsächlich im 16. Jahrhundert massive Steinfundamente gesetzt habe, weil diese seinerzeit recht teuer und schwer zu bekommen waren. Die Grabungen haben ergeben, dass die Wandesburg tatsächlich auf massiven Findlingen erbaut wurde. Das dürfte damit zusammenhängen, dass das Gebiet südlich der Schloßstraße einen hohen Grundwasserspiegel aufweist, wie sich auch bei den Grabungen immer wieder zeigte. Da war es eine gute Investition, den Untergrund mit großen Steinen so zu befestigen, dass darauf auch ein mehrstöckiges Gebäude mit einem Turm standfest errichtet werden konnte. Vor diesem Hintergrund wird auch verständlich, warum Schimmelmann die Fundamente und Grundmauern gerne für sein Schloss nutzte.
Allerdings gilt dies nicht für den gesamten Bereich. Die jetzt vorgenommenen Grabungen zeigen, dass der Boden teilweise auch aus sehr festem, zementähnlichem Mergel besteht. In diesen Zonen haben sowohl Rantzau als später auch Schimmelmann auf ein Steinfundament verzichtet, was vorher nicht bekannt war.
Bei den Grabungen beginnt dieser Bereich bereits wenige Meter neben der Nordostecke, wobei unter Umständen auch statische Gründe dafür sprachen, die Fundamente im Eckbereich der Gebäude besonders massiv auszuführen.
Gleich zu Beginne der Grabungen fanden die Mitarbeiter des Helmsmuseums die Fundamente einer massiven Mauer, die in Richtung Nordosten unweit der Nordostecke der Gebäude abgeht. Auch deren Bedeutung konnte geklärt werden: Es handelt sich um die von Schimmelmann errichtete Begrenzung des Schlossparks nach Norden. Dies ergibt sich aus einer kolorierten Nordansicht des Schlosses von Laeisz .
Dies ist auch deshalb interessant, weil es im Staatsarchiv zwar eine Vielzahl von Plänen und Darstellungen des Schlosses gibt, diese aber teilweise voneinander erheblich abweichen. Offenbar ist nicht alles realisiert worden, was einmal geplant wurde.
Es wird vermutet, dass Heinrich Rantzau bereits ein kleineres Herrenhaus vorfand, als er Wandsbek kaufte und die Wandesburg errichtete und dass er dieses in seinen Dreiflügelbau – den ersten in Holstein überhaupt – integrierte. Insofern wird auf die Forschungsergebnisse von Dr. Tatiana Ceynowa-Barth, der Leiterin des Ahrensburger Schlosses verwiesen, die in ihrer Dissertation ‚Das Herrenhaus des Heinrich Rantzau’ nachwies, dass die Mauern der Wandesburg unterschiedlich Stärken aufwiesen. Dies ergibt sich aus im Landesarchiv Schleswig gefundenen Grundrissen aus dem 18. Jahrhundert, als die Wandesburg offenbar verkauft werden sollte.
Ob die gefundenen Fundamente und Grundmauern nun von Rantzau oder einem seiner Vorgänger als Gutsherr errichtet wurden, konnte anhand der Funde nicht geklärt werden. Es wurden nämlich Ziegel im so genannten ‚Klosterformat’ (30 x 17 x 9,5 cm) gefunden, die jedoch in Norddeutschland von 13. bis ins 17. Jahrhundert hinein verwendet wurden. Sie waren mit einem stark kalkhaltigen Mörtel verbunden, der seine Festigkeit weitgehend verloren hat.
Schimmelmann wiederum verwendete kleinformatigere, stärker gerötete Ziegel mit einem Mörtel, der so fest ist, dass die Steine fast gar nicht heil aus dem Verbund gelöst werden können.
Die bei den Grabungen vorgefundenen Resultate haben vieles, was bislang nur vermutet wurde als wahr belegt, es sind auch neue Erkenntnisse hinzugekommen.
Leider konnte die Idee, ähnlich dem Bischofsturm beim Domplatz das Ergebnis den interessierten Wandsbekern langfristig zugänglich zu machen, nicht realisiert werden. Dies hätte eine sehr schwierige und kostenintensive Absenkung des Grundwasserspiegels vorausgesetzt, und das war nicht finanzierbar. Es bleibt aber zu hoffen, dass die Ergebnisse trotzdem beispielsweise in einem ebenerdigen Schauraum ausgestellt werden. Auf jeden Fall wird es hierzu eine Ausstellung im Bezirksamt geben.
Zu hoffen bleibt daneben, dass es in absehbarer Zeit vielleicht weitere Grabungen in anderen Bereichen geben wird. Die vorgefundenen Ergebnisse lassen hier Einiges erwarten.
Wer mehr zum Schloss und seiner Geschichte erfahren möchte, sei auf die Fachliteratur, insbesondere ‚Das Wandsbeker Schloss – Rantzau, Brahe und die Familie Schimmelmann’ verwiesen.